Wunderland

Eva Bucher, Neue Zürcher Zeitung, 08.03.2007

Der Westschweizer Massimo Furlan Zeigt mit « Palo Alto » ein Theater ohne Worte. Im Rahmen der Reihe « Gipfelstürmer - Plattform junge Schweiz ».

Zauberer wissen : Dinge aus dem Dunkel auftauchen zu lassen, sie blitzschnell in grelles Licht zu tauchen und anschliessend ebenso schnell wieder im pecchschwarzen Raum zu versenken – das ist Magie. Auch der Performance-Künstler Massimo Furlan, der Lausanner mit italienischen Wurzeln, kennt dieses Rezept. Bloss würzt er den charmanten Spuk noch mit einer Prise Verschrobenheit. Wenn seine Gestalten aus der Dunkelheit ins Licht treten, wirken sie wie zu prallem Leben erwachte Wachsfiguren.

Und seine Bühne wird zum magischen Kabinett, in welchem sich Dinge begegnen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben. Diese gruppieren sich zu hypnotischen, wie aus disparaten Erinnerungsfetzen gewobenen Bildern. Ein Wunderland taucht aus dem Dunkel auf. Die Muttergottes samt Sohn posiert neben federgeschmückten Lido-Girls, ein Herzensbrecher, ein altes Paar wird von menschlichen Hundegestalten umschnüffelt, Akrobaten mit müden Muskeln und traurigen Augen stemmen sich gegenseitig in die Höhe. Und zu allem ertönt eine Musik, die manchmal in den Ohren, manchmal in der Seele weh tut.

« Palo Alto » : der Titel bezieht sich nicht nur auf die Stadt in Kalifornien, sondern auch auf einen Song von Radiohead, der 1998 die Unverbindlichkeit der Überkommunikation ironisierte. Tatsächlich berührt Furlans « Theater ohne Worte » viele Ebenen zwischen Poesie und Banalität, Kitsch und Tiefsinn, Ironie und Selbstvergessenheit. Der eigentümliche Zauber des Stücks erinnert auch an Furlans früheste Leidenschaft : Als Kind liebte er es, in den Sommerferien Zirkusshows zu Radiomusik zu kreieren.

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